
Das Kniegelenk
Das Kniegelenk trägt unser ganzes Körpergewicht und manchmal noch viel mehr. Im Durchschnitt macht der Mensch jährlich ungefähr 1,5 Millionen Schritte und noch eine Vielzahl anderer Bewegungen. Um uns dies zu ermöglichen, ist das Kniegelenk ein offenes, nur durch Bänder und Muskeln stabilisiertes Gelenk, das sich aus dem langen Oberschenkelknochen, dem Schienbein und der Kniescheibe zusammensetzt. Eine Knorpelschicht und die so genannte Gelenkschmiere halten die Knochen voneinander getrennt und sorgen so für eine nahezu reibungslose Bewegung ohne Schmerzen.
Kniegelenkchirurgie - Das ganze Spektrum moderner Kniegelenkchirurgie.
Unser Konzept - Befundabhängige individuelle Methodenauswahl und Operationsverfahren.
Achskorrektur Kniegelenk
Durch ausgeprägte X- und O-Achsfehlstellungen der Beine wird die Innen- oder die Außenseite des Kniegelenks fehlbelastet. Mit der Zeit führt dies oft zu einer frühzeitigen Kniearthrose. Besonders bei Knorpelschäden oder auch nach deren operativer Versorgung kommt der Begradigung solcher Achsfehlstellungen eine zentrale Bedeutung für den langfristigen Heilerfolg zu. Je nach Situation werden die Fehlstellungen durch die Herausnahme oder das Einsetzen eines Knochenkeiles am Oberschenkel oder im Schienbeinkopfbereich behoben.
Knorpelchirurgie
Der menschliche Knorpel ist im Laufe des Lebens besonders an den Hüft- und Kniegelenken sehr großen Belastungen ausgesetzt und deshalb von einer extrem abriebfesten Beschaffenheit. Durch Verschleiß, bei Gelenkverletzungen und -entzündungen sowie Krankheiten der Gelenke wie Rheuma kann jedoch ein Knorpeldefekt entstehen. Da unser Körper den Knorpel kaum selber reparieren kann hat, bleibt bei sehr ausgedehnten Knorpelschäden oft nur die Versorgung mit einem künstlichen Gelenk. Bei kleineren und mittelgroßen Knorpelschäden verfügt die moderne Gelenkchirurgie jedoch über verschiedene spezielle Behandlungsmöglichkeiten wie die Anzüchtung von eigenem Knorpelgewebe, Abrasionsarthroplastik und Mosaikknorpelknochentransplantation.
Anzüchtung von eigenem Knorpelgewebe
Die meiste Erfahrung mit der Anzüchtung und Transplantation von eigenem Knorpelgewebe wurde bisher am Kniegelenk gewonnen. Bei der autologen Knorpeltransplantation wird zunächst im Rahmen einer Gelenkspiegelung ein kleines Stück gesundes Knorpelgewebe aus dem unbelasteten Randbezirk des Gelenkes entnommen. Im Labor werden die Knorpelzellen des entnommenen Gewebes dazu gebracht, sich zu vermehren. Es entsteht eine sogenannte Knorpelzellkultur, die 4 Wochen später in einer zweiten Operation mit einer kleinen Gelenkeröffnung in den Knorpeldefekt eingebracht wird. Nach der Knorpelzelltransplantation sollten Patienten das Knie drei Monate konsequent nur teilbelasten. Eine passive Übungsbehandlung des Kniegelenkes auf der Motorschiene ist erlaubt.
Abrasionsarthroplastik
Die Abrasionsarthroplastik wird besonders bei der Kniegelenksarthrose angewandt. Im Rahmen einer Kniearthroskopie wird dort, wo der Knorpel vollständig zerstört ist, die oberste Knochenschicht aufgebohrt, angefräst oder mit kleinsten Hammern eröffnet. Dadurch kommt es zu kleinsten Blutungen aus dem intakten Knochen heraus. Mit dem Blut gelangen Bindegewebszellen in den Defekt, die sich im weiteren Verlauf zu Ersatzknorpel umwandeln. So wird der Defekt mit einer Faserknorpelschicht überzogen. Faserknorpel ist zwar lange nicht so belastbar wie der angeborene hyaline Knorpel, aber immer noch besser als gar kein Knorpel Es dauert vier bis sechs Wochen, bis sich der neue weiche Gelenküberzug gebildet hat. Leider kommt es nach einer Abrasionsarthroplastik nicht immer zu einer ausreichenden Ersatzknorpelbildung. Die Abrasionsarthroplastik kann mit einer Gelenkumstellung kombiniert werden, um das hauptsächlich geschädigte Kniehautgelenk zu entlasten. Die Belastung des Faserknorpels wird damit reduziert und die Chancen auf eine langfristige Beschwerdebesserung werden erhöht.
Mosaikknorpelknochentransplantation
Knorpelschäden von einer Größe bis zu sechs Quadratzentimetern können mit einer Mosaikknorpelknochentransplantation behandelt werde. Bei dieser Technik werden Knochen-Knorpel-Zylinder mit intaktem Knorpel aus nicht belasteten Gelenkbereichen entnommen und mosaikförmig in den Knorpeldefekt transplantiert. Mit diesem Verfahren gelingt es, bis zu 80 Prozent der Knorpeldefektfläche mit hyalinem Knorpel, dem intakten natürlichen Knorpel, zu rekonstruieren. Die verbleibenden Zwischenräume werden durch Faserknorpel aufgefüllt. So entsteht eine neue intakte und belastbare Gelenkfläche.
Meniskusverletzungen
Bei Meniskusverletzungen ist von wenigen Ausnahmen abgesehen eine operative arthroskopische Behandlung erforderlich. Abgerissene Meniskusanteile wirken im Kniegelenk wie Sand im Getriebe und zerstören den Gelenkknorpel, was zu frühzeitigem Gelenkverschleiß führt. Ziel des arthroskopischen Eingriffes ist es, so viel gesundes Meniskusgewebe wie möglich im Kniegelenk zu erhalten. Komplett abgerissene Meniskusstücke werden entfernt.
Besonders bei jungen Patienten mit einem unfallbedingten Meniskusriss nahe der Gelenkkapsel ist eine arthroskopische Meniskusnaht oder arthroskopische Meniskusfixierung mit speziellen Klammergeräten angezeigt. Der verletzte Meniskus kann so häufig gerettet werden. Nach einer Meniskusnaht ist jedoch eine langfristige Entlastung und Schonung des Kniegelenkes erforderlich, um eine stabile Einheilung der im täglichen Leben extremen Belastungen ausgesetzten Menisci zu ermöglichen.
Kreuzbandverletzungen
Kreuzbandrisse zählen bei jungen und sportlich Menschen zu den am meisten operierten Verletzungen des Kniegelenkes. Sowohl das vordere als auch das hintere Kreuzband stellen den zentralen Stützpfeiler des Kniegelenkes dar. Nach dem Riss des vorderen Kreuzbandes entsteht eine Instabilität im Kniegelenk, die bei normalem Gehen und alltäglichen Bewegungen meist noch gar nicht deutlich auftritt. Knieexperten sind sich einig, dass die Kniegelenkinstabilität beim aktiven Patienten durch eine alleinige, nichtoperative Behandlung mit Muskeltraining nicht ausreichend ausgeglichen werden kann.
Nach einem Kreuzbandriss ist es wichtig, den verloren gegangenen Halt im Innern des Knies wiederherzustellen. Bei der Operation führen wir die vordere und hintere Kreuzbandplastik arthroskopisch, das heißt mit kleinen Hautschnitten durch. Als Transplantat bevorzugen wir die Oberschenkelsehnen Semitendinosus- und Gracilessehnen aus der Innenseite des Oberschenkels, die über einen etwa drei Zentimeter großen Hautschnitt unterhalb des Kniegelenks entnommen werden. Da dort gleichzeitig mehrere kräftige Sehnen vorhanden sind, gibt es durch die Entnahme der Sehnen keinen Kraft- und Funktionsverlust. In den seltenen Fällen, in denen diese Sehnen nicht geeignet sind, greifen wir auf ein Transplantat aus dem mittleren Patellasehnendrittel mit Knochenanteil zurück. Hierzu benötigen wir einen etwa drei bis sechs Zentimeter langen Schnitt unterhalb des Kniegelenks zum Entnehmen der Sehne. Die gesamte Operation erfolgt arthroskopisch. Das neue Ersatzkreuzband wird mit resorbierbaren Schrauben im Bohrkanal fixiert, die sich innerhalb eines Jahres nach der Operation vollständig auflösen.
Die Rehabilitation beginnt sofort nach dem Eingriff. In der Regel kann das Knie gleich belastet und bewegt werden. Jeder Patient erhält von uns einen operationsspezifischen und individuell abgestimmten physiotherapeutischen Nachbehandlungsplan, um die Muskeln wieder aufzubauen, den Gang zu schulen und die Bewegungsabläufe zu trainieren. Der Patient kann in der Regel nach drei Tagen die Klinik verlassen und ist bis auf den Wundschmerz wieder voll einsetzbar. Erste sportlichen Aktivitäten können schon drei Monate nach der Operation begonnen werden.
Nachbehandlung nach Gelenkeingriffen
Nach jedem gelenkchirurgischen Eingriff ist ein operationsspezifisches und individuell auf die Patienten abgestimmtes, frühfunktionelles physiotherapeutisches Übungsprogramm vorgesehen. Das Programm dient dazu, die Muskeln aufzubauen, den Gang zu schulen und die Bewegungsabläufe zu trainieren. Ihre Mitarbeit ist dabei überaus wichtig. Unser Ziel ist es, dass Sie so schnell wie möglich wieder gesund werden und Ihre gewohnte Lebensqualität zurückerlangen.
Geriatrische Endoprothesensprechstunde
Diese Sprechstunde ist für ältere Patienten mit zahlreichen und schwerwiegenden Begleitkrankheiten, die ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk benötigen. Hier werden sie nicht nur von einem spezialisierten Chirurgen, sondern auch von einem Narkosearzt, Internisten und Spezialisten für Altersmedizin untersucht und beraten.
Notwendige Voruntersuchungen können gemeinsam mit ihrem Hausarzt geplant werden. Zusammen sorgen wir dafür, dass die Begleiterkrankungen optimal eingestellt sind und die Operation mit einem Höchstmaß an Sicherheit durchgeführt werden kann. Schon am Tag vor der Operation beginnt die Rehabilitation: Unter krankengymnastischer Anleitung lernen die Patienten das Laufen an Unterarmgehstützen, damit sie nach der Operation möglichst schnell wieder mobil sind.