
Die operative Behandlung der Hyperhidrose
Ursache
Die lateinische Beschreibung vom „Zustand des übermäßigen Schwitzens“, macht nur scheinbar deutlich, welche physischen und psychischen Auswirkungen die Krankheit in Wirklichkeit auf die Menschen hat, die unter dieser angeborenen, vererbten Erkrankung leiden. Privat wie auch beruflich entstehen Hemmnisse, Nachteile und Problemsituationen im Umgang mit Arbeitskollegen und Geschäftspartnern, Bekannten und Freunden.
Symptome
Ein „nasskalter“ Händedruck, feuchte, große Schweißflecke auf dem T-Shirt oder Schweißperlen im Gesicht sind keine einladenden Voraussetzungen für Körperkontakt, eine freundliche Begrüßung oder eine Umarmung. Auch ein übermäßig häufiges Erröten (sogenannte Erythrophobie) ist sehr Unangenehm.
Auswirkungen
Die Folge ist häufig, dass der Betroffene Hemmungen, Minderwertigkeitskomplexe und schlichtweg Angst bekommt, Angst vor der Begegnung, Angst vor Körperkontakt, vor der Reaktion anderer Menschen. Einsamkeit, Frustration und auch depressive Zustände sind allzu häufig die Folgen einer Hyperhidrose. Dabei können die Probleme durch einen relativ einfachen operativen Eingriff dauerhaft und lebenslang behoben werden.
Methode und Behandlungsziel
Die Behandlungsmaßnahme trägt den medizinischen Namen „thorakoskopische Sympathektomie“ oder auch „Brustfellspiegelung mit Durchtrennung des Sympathischen Nervenstranges“. Anders Ausgedrückt: Man nutzt bei dieser Methode den Umstand, dass ganz bestimmte Nerven für die Schweißdrüsen der Achselhöhlen, der Hände und des Gesichts zuständig sind. Sie befinden sich in Höhe des 2. - 4. Rippenköpfchens - also im Bereich des Brustkorbs - und können unkompliziert und minimalinvasiv freigelegt werden. Diese Nervenstränge befinden sich rechts und links im Brustkorb. Sie werden mehrfach durchtrennt, um zu verhindern, dass sie wieder zusammenwachsen. Die Folge des Eingriffs und das Behandlungsziel ist, das Schwitzen dadurch auf ein Normalniveau zurückzuführen.
Vor jedem Eingriff führen wir ein persönliches Gespräch, in dem Sie Fragen stellen können, Ihr Zustand beurteilt und der Eingriff detailliert erklärt wird. Dabei kommen auch die möglichen Risiken zur Sprache. Im Anschluss daran verabreden Sie mit dem Chefarzt einen OP-Termin.
Wichtig zu erwähnen ist, dass der Eingriff nicht bei jedem durchgeführt wird, der an übermäßigem Schwitzen leidet. Wir setzen grundsätzlich voraus, dass unsere Patienten mit konservativen Methoden wie z. B. Lokalmaßnahmen etc. nicht den gewünschten Erfolg erzielt haben. Außerdem müssen vorher andere Grunderkrankungen (z. B. Schilddrüsenüberfunktionen etc.) ausgeschlossen worden sein.
Der Eingriff
Dieser minimalinvasive Eingriff wird seit über 30 Jahren in unserem Krankenhaus praktiziert. Die thorakoskopische Sympathektomie wird in Verbindung mit einer Vollnarkose durchgeführt. Die Gesamtnarkosezeit beträgt ca. 90 Minuten, davon sind etwa 30 bis 40 Minuten OP-Zeit.
Im ersten Schritt wird ein Hautschnitt von etwa 3 cm vorgenommen, danach wird als "Sicherheitspolster“ gefilterte Luft in den Zwischenrippenfellraum eingelassen, so dass die Lunge dadurch den Weg frei macht zum Nervengrenzstrang, der sich hinter der Lunge verbirgt. Nun wird ein kleines Endoskop eingeführt (etwa so dick wie ein Kugelschreiber), das Rippenfell wird behutsam durchtrennt, der Sympathische Nervengrenzstrang (unser Ziel!) wird freigelegt und anschliessend an mehreren Stellen durchtrennt. Das Endoskop wird entfernt, die eingelassene Luft aus dem Zwischenrippenfellraum wieder abgesaugt, dadurch kommt der Lungenflügel wieder an die alte Position und ist wieder voll funktionsfähig. Der Hautschnitt wird genäht und der Eingriff ist abgeschlossen. Nach einem Erholungstag wird derselbe Vorgang auf der anderen Seite wiederholt. Bereits kurz nach jeder Operation können Sie schon wieder aufstehen.
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