

Geschichte der Hernienchirurgie
Erste Beschreibungen von Leistenhernien finden sich bereits im Papyrus Ebers (1555 v. Chr.). Hippokrates (460 bis 375 v. Chr.) erwähnt in seinem 2. Buch "Über die allgemein herrschenden Krankheiten" die Brüche der Scham- und Nabelgegend.
Bereits im Altertum wurden Notfalloperationen bei eingeklemmten Brüchen durchgeführt. Die Ergebnisse waren katastrophal, kaum ein Patient überlebte.

Die moderne Leistenbruchchirurgie wurde erst durch die Einführung der Anästhesie, Antisepsis und Asepsis im 19. Jahrhundert ermöglicht. Ihr Begründer ist Eduardo Bassini, ordentlicher Professor der Chirurgischen Universitätsklinik zu Padua. Bei der Technik nach Bassini wird die Bruchlücke über einen Leistenschnitt durch Naht der Bauchwandmuskulatur an das Leistenband verschlossen. Bis in die Achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts war die Bassini-Methode in Deutschland das am häufigsten angewandte Operationsverfahren. Die guten Ergebnisse von Bassini selbst mit Wiederholungsbruchraten (=Rezidivraten) nach 6 Jahren von 3% wurden jedoch von kaum einem anderen Chirurgen erreicht.

Der Canadier Earle Shouldice modifizierte die Bassinitechnik indem er einen schichtweisen Bruchpfortenverschluß einführte: wesentlicher Operationsschritt ist die Dopplung der Transversalisfaszie (Quere Bindegewebslamelle, siehe auch Anatomie, Operationsverfahren). Mit der Shouldice-Technik konnte die Rate von Wiederholungsbrüchen vermindert werden.Werden alle Leistenbrüche von einem spezialisierten Chirurgen in der Technik nach Shouldice operiert, so liegt die Rezidivquote nach 10 Jahren günstigstenfalls bei etwa 2%. Bei großen Bruchpforten, ungünstigen Bindegewebsverhältnissen und Wiederholungsbrüchen ist die Wiederholungsbruch deutlich höher, bei kleinen Brüchen dagegen niedriger ca. 1%) Bei Patienten mit kleinen Leistenbrüchen ohne Rezidivrisikofaktoren ist die Shouldice-Methode ein Verfahren der ersten Wahl (siehe auch unser Hernienkonzept)

Da die Wiederholungsbruchraten besonders bei Leistenbruchrezidiven und Narbenbrüchen immer noch erschreckend hoch waren, wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder Versuche unternommen, Kunststoffnetze zur Bruchpfortenverstärkung zu verwenden. Die Gewebeverträglichkeit der zunächst verwendeten Kunststoffe war sehr schlecht, die Ergebnisse zunächst katastrophal. Erst die von Francis Usher Ende der Fünfziger Jahre in die Hernienchirurgie eingeführten Polypropylennetze erbrachten gute Ergebnisse. Die Technik der "sublay"-Netzeinlage (siehe auch Narbenhernie) ist heute bei Narbenhernien das am häufigsten angewandte Operationsverfahren.

Der Franzose René Stoppa entwickelte eine Technik zur Behandlung von komplizierten großen Brüchen der Leistenregion und Unterbauchregion bei der ein großes Netz über einen Unterbauchmittelschnitt zwischen Bauchfell und Bauchwand eingelegt wird (siehe Abb.). Die Stoppa-Technik ist gewissermaßen die "offene" Variante der Anfang der Neunziger Jahre entwickelten Schlüsselloch-Techniken (siehe endoskop. Hernienoperation, TEP, TAPP).

In den Siebziger Jahren erfand Irving Lichtenstein die sogenannte "Onlay"-Netzeinlage, welche heute das in den USA am häufigsten angewandte Operationsverfahren darstellt. Die Ergebnisse der Lichtenstein-Methode sind sehr gut. Die Serien spezialisierter Hernienchirurgen, einschließlich unserer Ergebnisse, zeigen unabhängig vom Leistenbruchtyp (auch Rezidive!) Rezidivraten von 0,1 - 0,5% nach 10 Jahren.
Mit den endoskopischen Techniken in Expertenhand lassen sich ähnlich gute Ergebnisse erzielen ( z.B. Bittner et. al. , eigene Ergebnisse).