
Geriatrische Leistenhernienchirurgie
Auch heute noch werden in Deutschland jedes Jahr etwa 70 000 Bruchbänder verordnet. Die Zahl der Leistenbruchpatienten, die ein Bruchband tragen, ist in unserem Land noch viel höher. Ein Bruchband ist nicht in der Lage, eine Einklemmung von Darmschlingen zu verhindern, führt oft zu Hautschädigungen und wird von vielen Patienten als unbequem, lästig oder quälend empfunden. Das Bruchband ist keine vernünftige Therapie des Leistenbruches und gehört aus unserer Sicht ins Medizinmuseum.
Auch beim sehr alten Menschen kann jeder Leistenbruch zur lebensbedrohlichen Einklemmung führen und sollte deshalb operativ beseitigt werden. Wird beim alten Menschen aufgrund einer Einklemmung eine Notoperation erforderlich, so liegt die Komplikations- und Sterblichkeitsrate deutlich höher als bei jüngeren Patienten.
Die Leistenbruchoperation in örtlicher Betäubung über einen kleinen Leistenschnitt ist ein wenig belastender Eingriff, der auch beim sehr alten Menschen mit erheblichen Begleitkrankheiten mit extrem niedriger Komplikationsrate durchführbar ist. Aufgrund der ungünstigen Bindegewebsverhältnisse ist meistens die Verstärkung der Leistenregion mit einem kleinen Kunststoffnetz in der Technik nach Lichtenstein erforderlich. Die Patienten sind unmittelbar nach der Operation in der Lage, aufzustehen, zu gehen, zu essen und zu trinken. Auch sehr alte Menschen können das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen. Liegen Begleitkrankheiten vor, so raten wir von einer ambulanten Behandlung ab.
Bereitet ein Leistenbruch Beschwerden, so stellt auch ein Alter von über 100 Jahren keine Kontraindikation für die Operation in örtlicher Betäubung dar.
97-jährige Patientin drei Stunden nach Leisenbruchoperation in örtlicher Betäubung