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Hernienzentrum Wilhelmsburg

Andere Bruchformen

Der Nabelbruch:
Nach der Leistenhernie ist der Nabelbruch die zweithäufigste Hernie der Bauchwand. Die Nabelhernie des Neugeborenen nimmt eine Sonderstellung ein. Beim Nabelbruch kommt es praktisch nie zu einer Einklemmung. Sie ist die einzige Hernie, die spontan heilt: 98% bilden sich innerhalb von 2 Jahren zurück. Nach Vollendung des 2. Lebensjahres sollten alle Nabelhernien operativ beseitigt werden, da jede vierte nicht operierte Nabelhernie im Laufe des Lebens einklemmt. Auch heute noch stellt die Einklemmung eines Nabelbruchs mit Darmbeteiligung eine lebensbedrohliche Situation dar.

Unser Konzept zur Operation von Nabelbrüchen:
Kleiner Nabelbruch ohne Risikofaktoren: Bruchverschluß durch Naht (bei schlanken Patienten in örtlicher Betäubung).

Alle anderen Nabelhernien werden durch Implantation eines Polypropylennetzes außerhalb der Bauchhöhle vor dem Bauchfell versorgt.

Die Schenkelhernie
Schenkelhernien gehören zu den Brüchen der Leistenregion. Die Bruchpforte liegt jedoch unterhalb des Leistenbandes (siehe Anatomie). Während Schenkelhernien beim Mann extrem selten sind (weniger als 1% der Leistenbrüche), ist bei der Frau jeder 10. Bruch der Leistenregion eine Schenkelhernie. Bedingt durch die relativ kleine Bruchpforte findet sich bei einer Schenkelhernie oft keine typische Verwölbung unter der Haut. Zur Diagnoseerstellung ist neben dem tastenden Finger des erfahrenen Untersuchers oft die Ultraschalldiagnostik hilfreich.Tückischerweise kommt es bei Schenkelhernien häufiger zu einer Einklemmung als bei Leistenbrüchen. Schenkelhernien gehen häufiger mit Schmerzen einher als Leistenbrüche. Die operative Behandlung erfolgt wie beim Leistenbruch, in der Regel in örtlicher Betäubung über einen sparsamen Leistenhautschnitt. Da ohne Kunststoffnetz versorgte Schenkelhernien zu Wiederholungsbrüchen neigen, verschließen wir die Bruchpforte mit einem Kunststoffnetz. Ausnahmen bilden sehr kleine Brüche bei jungen Patientinnen und Patienten.

Der Narbenbruch
Nach etwa jeder 10. Bauchoperation kommt es früher oder später zu einem Narbenbruch, wobei jede zweite Narbenhernie innerhalb des ersten postoperativen Jahres auftritt. Bei jährlich etwa 500.000 Bauchoperationen erkranken in Deutschland jedes Jahr 40.000 bis 70.000 Menschen an einem Narbenbruch. Narbenhernien treten an jedem Ort der Bauchwand offenbar unabhängig von der Art der Schnittführung auf. Auch Leistenbruchrezidive zählen zu den Narbenbrüchen.

Die Entstehung eines Narbenbruchs wird durch folgende Umstände begünstigt:
Husten, akute oder chronische Atemwegserkrankungen, maschinelle Beatmung nach Bauchoperation, Darmverschluß, Bauchwasser, Übergewicht, Nierenfunktionsstörungen, Wundinfekte, Zuckerkrankheit, Tumorleiden, Eiweißmangel, Alkohol- und Nikotinmißbrauch, Bindegewebsschwäche, wiederholte Bauchschnitte, fehlerhafte Wundverschlußtechnik.

Jeder Narbenbruch sollte wegen der immer vorhandenen Gefahr der Einklemmung und Schädigung von Darmschlingen operativ beseitigt werden. Eine Spontanheilung ist wie bei allen anderen Bauchwandbrüchen nicht möglich. Ein eingeklemmter Narbenbruch ist ein chirurgischer Notfall, der umgehend operiert werden muß.

Das Wilhelmsburger Behandlungskonzept der Narbenhernie:
Nur kleine Narbenhernien bis zu einem Bruchpfortendurchmesser von 2 cm bei Patienten ohne Risikofaktoren für einen Wiederholungsbruch (=Rezidiv) werden im Hernienzentrum Wilhelmsburg durch einen Nahtverschluß versorgt. Bei allen anderen Narbenhernien liegt das Risiko eines Wiederholungsbruches bei bis zu 50%, d.h. der einfache Nahtverschluß versagt bei nahezu jedem zweiten Patienten. Bei größeren Brüchen (> 5 cm Bruchpfortendurchmesser) ist der Nahtverschluß meist nur unter erheblicher Anspannung der Wundränder und Raffung der Bauchdecken möglich, was nicht selten zu einem deutlichen Anstieg des Bauchinnendruckes führt. Die Folge ist dann oft das Ausreißen der Nähte und die Entstehung eines Wiederholungsbruches. Schlimmstenfalls kann bei einem Nahtverschluß sehr großer Narbenbrüche durch die Bauchinnendrucksteigerung eine lebensbedrohliche Beeinträchtigung der Atmung und Durchblutungsstörung von Bauchorganen ("Kompartmentsyndrom des Bauches") entstehen.

Aufgrund dieser schlechten Ergebisse des Nahtverschlusses versorgen wir alle über 2 cm großen Narbenbrüche spannungsfrei mit einem Kunststoffnetz aus Polypropylen. Das Netz wird dabei stets in der sogenannten "Sublay-Technik" zwischen Bauchwand und Bauchfell, die Bruchpforte weit unterminierend (unterlappend) eingebracht (siehe Abbildung). Um möglichst wenig Fremdmaterial zu verwenden, wird jedes Netz individuell zugeschnitten und in Abhängigkeit von der Bruchpfortengröße so klein wie möglich gehalten. Um Wiederholungsbrüche sicher zu verhindern, muß das Netz bei großen Brüchen die Bruchpforte ringsherum 7cm unterlappen. Gelegentlich tritt nach der Einlage großer Kunststoffnetze ein Fremdkörpergefühl in der Bauchwand auf.

Abb.1:
Bei Narbenbrüchen wird das Polypropylennetz stets vor dem Bauchfell und hinter den Bindegewebsplatten bzw. der Bauchwandmuskulatur eingebracht.

Abb. 2:
Die Bindegewebsplatte wird über dem Kunststoffnetz verschlossen.

Bei der von uns angewandten Technik liegt das Risiko eines Wiederholungsnarbenbruches bei 5-10%, also etwa 5-10 mal niedriger als bei der Narbenbruchversorgung ohne Kunststoffnetz.

Komplikationen nach Narbenbruchoperationen sind mit und ohne Netzeinlage selten. Nach der Implantation von großen Kunststoffnetzen kommt es nicht selten zu wässrigen, nicht infektiösen Flüssigkeitsansammlungen im Wundbereich, die sich meistens nach ein paar Wochen spontan zurückbilden und daher i.d.R. nicht behandlungsbedürftig sind. Nur in seltenen Fällen, z.B.: bei Fortbestehen größerer Flüssigkeitsansammlungen ist eine Punktion in örtlicher Betäubung erforderlich.

Schwere Komplikationen nach einer Narbenbruchoperation mit Netzimplantation sind extrem selten: Eine Verletzung von Bauchorganen ist bei der von uns angewandten Methode sehr unwahrscheinlich, da zwischen Netz und Bauchorganen stets eine Schicht körpereigenen Gewebes verbleibt und das Netz mit Nähten in der Bauchwand befestigt wird.

Bauchwandbruch bei künstlichem Darmausgang (Parastomalhernie)

Patienten, die einen künstlichen Darmausgang haben, leiden sehr häufig unter einer sog. Parastomalhernie. Bei Parastomalhernie ist die Durchtrittsöfnung des Darmes durch die Bauchwand krankhaft erweitert, so dass ein Bruchsack häufig mit Eingweiden nach außen hervortritt. Wenn die Vorwölbung neben dem Darmdurchtritt Beschwerden  bereitet und dadurch die Versorgung des künstlichen Ausgangs mit Anus praeter Beuteln beeinträchtigt ist, besteht eine Operationsindikation. Wie bei anderen Bauchwandbrüchen ist heut zu Tage die Versorgung mit einem Kunststoffnetz Standard. In geeigneten Fällen kann die Kunststoffnetzeinlage im Rahmen einer Bauchspiegelung in der sog. Schlüssellochtechnik durchgeführt werden.

Kontakt zum Hernienzentrum

Dr..med..Wolfgang Reinpold
Chefarzt des Hernienzentrums


Marion Kohnen
Sekretariat des Hernienzentrums
Tel.: 040 - 75 205 - 225 | Fax: - 357

Chirurische Sprechstunde
Tel.: 040 - 75 205 - 225 | Fax: - 723

Station der Chirurgie
Tel.: 040 - 75 205 - 243 | Fax: - 702

Hotline für chirurgische Notfälle
Tel.: 040 - 75 205 - 6233

 
Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand
Groß-Sand 3  |  21107 Hamburg

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Herniensymposium

Das 4. Wilhelmsburger Herniensymposium mit internationalen Referenten wird am 20./21.01.2012 in Hamburg stattfinden.

Als Highlight sind wieder Live-Operationen aus dem Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand geplant.
Renommierte Hernien-Experten aus dem In- und Ausland werden einen Überblick über die neuesten Entwicklungen der Hernienchirurgie geben.

Hernie kompakt

Fortbildungskurs vom 17. - 19. Januar 2012 in Hamburg
Ankündigung

 

Weitere Informationen bekommen Sie hier:
www.hernie-kompakt.de