Schilddrüsenchirurgie

Allgemeines über die Schilddrüse:
Die Schilddrüse ist ein wichtiges Organ. Sie liegt schmetterlingsförmig unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre. Die Schilddrüse produziert die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone, die einen wesentlichen Einfluss auf viele Stoffwechselvorgänge in unserem Körper haben. Ein intakter hormoneller Regelkreis zwischen dem Mittelhirn, der Hirnanhangdrüse und der Schilddrüse sorgt dafür, dass weder zuviel noch zuwenig Schilddrüsenhormone in der Schilddrüse gebildet werden.
Schilddrüsenhormone haben unter vielen anderen folgende Aufgaben:

  • Steigerung von Grundumsatz und Gesamtstoffwechsel
  • Fördernder Einfluss auf Wachstum und Entwicklung (bei Hormonmangel vor der Geburt: Störung der Gehirnreifung, verzögertes Knochenwachstum
  • Regulierung des Mineralstoffhaushaltes
  • Regulierung des Zucker-, Fett- und Eiweißhaushaltes
  • Regulierung der Reizleitung im Nervensystem, in der Muskulatur und am Herzen

Der Kropf (Struma)
Ein Kropf (Struma) ist eine krankhaft vergrößerte Schilddrüse. Die Ursache für einen Kropf ist in den allermeisten Fällen ein Jodmangel. Auch Deutschland zählt zu den Jodmangelgebieten. In einigen Regionen Deutschland hat jeder 3. Bürger einen Kropf.

  • Struma diffusa: Die Schilddrüse vergrößert sich gleichmäßig und bildet keine Knoten
  • Struma nodosa: Die Drüse wuchert, indem sie einzelne oder auch mehrere Knoten, bildet.
    Die meisten Patienten mit einem Kropf haben eine normal funktionierende Schilddrüse; manchmal ist die Kropfbildung aber auch von einer Über- oder Unterfunktion des Organs begleitet.

Ein Jodmangel im Trinkwasser, wie er in vielen Gebieten Deutschlands vorkommt, ist am häufigsten dafür verantwortlich, dass sich ein Kropf entwickelt. Das eingeschränkte Jodangebot erschwert dann die Hormonbildung in der Schilddrüse. Als Reaktion darauf nimmt in vielen Fällen die Schiddrüsengröße (=Organvolumen) zu.

Knoten im linken Schilddrüsenlappen

Die Schilddrüsenoperation
Alle Operationen an der Schilddrüse und den Nebenschilddrüsen erfolgen bei uns unter Verwendung des Neuromonitorings (Elektronisches Suchgerät für die Recurrensnerven, siehe Abb.) und unter Lupenbrillenpräparation, d.h. der Operateur trägt eine Lupenbrille, die das  Gewebe in  5-facher Vergrößerung zeigt. Mit der Lupenbrille sieht der Operateur auch kleinste Blutgefäße der sehr gut durchbluteten Schilddrüse, was ein nahezu blutfreies Operieren ermöglicht.  Der Operateur hat damit optimale Bedingungen, die Recurrensnerven und die Nebenschilddrüsen sicher zu identifizieren und zu schonen und  krankhaft verändertes von normalem Schilddrüsengewebe abzugrenzen. Auch wird das Risiko einer Nachblutung maximal gesenkt. Unsere große operative Erfahrung, die filigrane Operationstechnik und optimale aparative Ausstattung bedeuten für unsere Patienten größtmögliche Sicherheit, um gefährliche Nachblutungen, Nervenlähmungen, Kalziummangel zu vermeiden. Alle diese Komplikationen kommen bei uns in unter einem Prozent der Fälle vor.
Bei folgenden Symptomen und Befunden ist eine Schilddrüsenoperation erforderlich:

  • bei so genannten "kalten" Schilddrüsenknoten, die in Einzelfällen bösartig sein können und anderen Verdachtsmomenten für Bösartigkeit
  • wenn der Kropf allein durch seine Größe Beschwerden verursacht:  Druck- und Engegefühl im Hals, Schluckstörungen,   Luftnot, Verlagerung oder Einengung der Luftröhre und Speiseröhre
  • bei so genannten "heißen" Knoten, die möglicherweise eine Schilddrüsenüberfunktion verursachen. Je nach Fall kann hier auch eine Radio-Jod-Behandlung durchgeführt werden.
    Leidet ein Patient unter einer Schilddrüsenüberfunktion, muss diese zunächst mit Medikamenten beseitigt werden. Dadurch lässt sich ein unnötig hohes Operationsrisiko vermeiden

Nach der Kropfoperation
Sind bei dem chirurgischen Eingriff große Teile der Schilddrüse entfernt worden, muss der Patient nach der Operation Schilddrüsenhormone einnehmen (Rezidivprophylaxe). Damit soll eine neuerliche, durch Hormonmangel bedingte Kropfbildung verhindert werden.

Zu den typischen Komplikationen bei einer Kropfoperation zählen:

  • Verletzung des Stimmbandnerven und eine damit auftretende anhaltende Heiserkeit der Stimme 
  • Neuromonitoring: Seit 2003 wird diese Methode routinemäßig bei Schilddrüsenoperationen eingesetzt. Durch die Ableitung elektrischer Ströme entlang seiner Nervenfasern lässt sich der Stimmbandnerv besser identifizieren; er kann dadurch während der Operation sicherer geschützt werden
  • Nachblutung
  • Krampfbereitschaft durch Steigern der neuromuskulären Erregbarkeit (Tetanie). Dieser Zustand wird durch einen Mangel an Parathormon hervorgerufen, eine Substanz, die in den Nebenschilddrüsen hergestellt wird und die den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel reguliert. Die Nebenschilddrüsen werden manchmal bei der Operation versehentlich mit entfernt
  • Lähmung des Stimmbandnerven (Recurrensparese). Im internationalen Vergleich liegt unsere Abteilung bei der anhaltenden symptomatischen einseitigen Parese mit einer Rate von unter einem Prozent sehr niedrig.
    Als Regeloperation bei Patienten mit einem Knotenkropf (Struma nodosa) werden Teile der Schilddrüse auf beiden Halsseiten entfernt (subtotale Strumaresektion). Ist ein Schilddrüsenlappen jedoch vollständig knotig umgewandelt oder besteht der Verdacht auf Bösartigkeit so wird der Schilddrüsenlappen vollständig entfernt.

Schilddrüsenautonomie und Morbus Basedow
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) erhält der Körper zuviel an Schilddrüsenhormonen. Häufigste Ursachen einer Überfunktion sind eine Schilddrüsenautonomie und ein Morbus Basedow.
 
Schilddrüsenautonomie
Foto Schilddrüsenautonomie im Szintigramm
Dies bedeutet, dass die bedarfsgerechte Hormonproduktion der Schilddrüse von der Kontrolle durch die übergeordneten Zentren im Gehirn – dem Hypothalamus und der Hypophyse – abgekoppelt ist. Die Autonomie kann das gesamte Organ betreffen oder nur einen bestimmten Bezirk. Im letztgenannten Fall spricht man dann von einem autonomen Adenom, also einem selbstständigen gutartigen Tumor des Schilddrüsengewebes.

Die Diagnose wird im Allgemeinen mithilfe der Szintigrafie gestellt. So genannte "heiße" Knoten deuten auf eine Autonomie hin.
 
Morbus Basedow
Foto: Patientin mit Morbus Basedow:
Ein besonders auffallendes Merkmal der Erkrankung sind die her- vortretenden Augäpfel und der damit einher- gehende starre Blick

Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der im Körper des Patienten sogenannte Autoantikörper  gegen das Gewebe der eigenen Schilddrüse gebildet werden. Da oft außerdem eine Kreuzreaktion mit Vergrößerung des Fettgewebes hinter dem Augapfel auftritt, zeigen 70 Prozent der Patienten das Symptom hervortretender Augen (endokrine Orbitopathie =  drüsenbedingte Krankheit der Augenhöhle).

Weitere typische Symptome des Morbus Basedow sind:

  • eine vergrößerte Schilddrüse (Kropf)
  • Herzrasen oder schneller Herzschlag (Trachykardie).
  • Die drei genannten Symptome 1. hervortrtende Augäpfel, 2.Kropfbildung und 3. Herzrasen werden auch als Merseburger Trias bezeichnet. Merseburg war der Wirkort des Amtsarztes Karl Adolf von Basedow, der 1840 die Erkrankung erstmals beschrieb.

Die Diagnose wird durch den laborchemischen Nachweis bestimmter Autoantikörper gesichert (TSH-Rezeptorantikörper, TRAK) 

Therapie

Sie erfolgt in folgenden Schritten:

  1. Zunächst muss beim Patienten vor der Operation die Schilddrüsenüberfunktion medikamentös eingestellt werden.
  2. Neuromonitoring: Seit 2003 wird diese Methode bei uns routinemäßig bei allen Schilddrüsenoperationen eingesetzt. Durch die Ableitung elektrischer Ströme entlang seiner Nervenfasern lässt sich der Stimmbandnerv besser identifizieren; er kann dadurch während der Operation sicherer geschützt werden;
  3. Der Chirurg entfernt die Schilddrüse bis auf kleinste Reste, in der Fachsprache "near total" Thyreoidektomie genannt (engl. near total = fast vollständig, Thyreoid = die Schilddrüse betreffend, Ektomie = Totalentfernung eines Organs).
  4. Nach der Operation muss der Patient lebenslang Schilddrüsenhormone einnehmen (Rezidivprophylaxe).

Schilddrüsenkrebs
Bei frühzeitiger Diagnose ist Schilddrüsenkrebs in den meisten Fällen heilbar. Das Ausmaß der Operation ist abhängig vom Tumortyp, der Tumorgröße und der Tumorausdehnung auf Nachbarorgane und Lymphdrüsen.
Werden erst in der feingeweblichen Untersuchung des entfernten Schilddrüsengewebes bösartige Zellen gefunden, ist oft eine Nachoperation erforderlich. Oft ist dann auch eine zusätzliche Radiojoddiagnostik und Therapie angezeigt, mit der Tumorabsiedelungen im Körper zerstört werden.

Operation bei Nebenschilddrüsenüberfunktion
Der Fachbegriff für eine Nebenschilddrüsenüberfunktion heißt Hyperparathyreoidismus . Die Erkrankung äußert sich unter anderem in einer Überproduktion des Parathormons, das die Nebenschilddrüsen herstellen. Die Substanz reguliert zusammen mit anderen Hormonen den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel in unserem Körper.

Die vier Nebenschilddrüsen, auch Epithelkörperchen genannt, sind etwa 5 bis 8 mm groß und wiegen zwischen 20 und 50 mg. Im Fall einer Überproduktion können sie jedoch wesentlich größer werden. Die kleinen Drüsen liegen gewöhnlich auf der Rückseite und hinter den Polen der Schilddrüse. Oft sind sie den zuführenden Gefäßen angelagert

Ursachen

Man unterscheidet zwei Ursachen für eine Nebenschilddrüsenüberfunktion:

  1. Primärer Hyperparathyreoidismus:
    Die Ursache für die Überfunktion ist eine krankhaft gesteigerte Parathormonproduktion  in einer oder mehrerer Nebenschilddrüsen selbst. begründet. Typischerweise handelt es sich um hormonproduzierende Tumore, die meist gutartig sind und dann als Nebenschilddrüsenadenome bezeichnet werden. Bei 75 bis 85 Prozent der Patienten ist nur eine der 4 Nebenmschilddrüsen betroffen.
  2. Sekundärer Hyperparathyreoidismus:
    In diesem Fall vergrößern sich gewöhnlich alle Nebenschilddrüsen (Hyperplasie), und zwar als Reaktion auf Erkrankungen, die zu einer Senkung des Kalziumspiegels führen. Häufigste Ursache ist ein chronisches Nierenversagen (= Niereninsuffizienz)
    Dadurch, dass die Ausschüttung von Parathormon infolge der Überfunktion erhöht ist, wird Kalziumsalz aus den Knochen abgebaut, und der Kalziumspiegel im Blut erhöht sich. Daraufhin beginnt sich Kalk im Körper abzulagern; es können sich Nieren- und Gallensteine bilden. Das Entkalken der Knochen führt außerdem zu Knochenschmerzen. Des Weiteren leiden die Patienten häufig unter Appetitlosigkeit, Übelkeit, Verstopfung und einem Blähbauch.

Diagnose
Bei der Diagnose ist es oft schwierig, die mitunter sehr kleinen Nebenschilddrüsen zu lokalisieren. Manchmal liegen sie atypisch im Brustkorb hinter dem Brustbein, im sogenannten Mediastinum. Wichtige diagnostische Verfahren sind Ultraschall, Computer- und Kernspintomographie sowie die Szintigraphie der Nebenschilddrüsen.

Therapie
Alle Operationen an den Nebenschilddrüsen erfolgen bei uns unter Verwendung des Neuromonitorings (Elektronisches Suchgerät für die Recurrensnerven, siehe Abb.) und unter Lupenbrillenpräparation, d.h. der Operateur trägt eine Lupenbrille, die das  Gewebe in  5-facher Vergößerung zeigt.
Sowohl bei einem primären als auch bei einem sekundären Hyperparathyreoidismus müssen alle vier Nebenschilddrüsen freigelegt werden:

  • Bei einem einzelnen Adenom ist nur eine der Drüsen vergrößert. Diese wird vom Chirurgen entfernt. Die drei nichtvergrößerten Nebenschildrüsen werden belassen.
  • Sind alle vier Drüsen vergrößert, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Hyperplasie vor. In einem solchen Fall werden alle Nebenschilddrüsen entfernt. Ein kleiner Anteil einer dieser 4 Nebenschilddrüsen wird in winzige Würfel zerkleinert an einer markierten Stelle in die Halsmuskulatur implantiert. Dieses soll einen durch Parathormonunterfunktion bedingten Kalziummangel verhindern.
  • Eine noch während der Operation nach Entfernung der krankhaft veränderten Nebenschilddrüsen durchgeführte Parathormonbestimmung muss eine Normalisierung des Parathormonspiegels anzeigen.
  • Sind die vermeindlich krankhaft veränderten Nebenschilddrüsen entfernt, wird noch während der Operation eine Parathormonbestimmung durchgeführt. Diese muss eine Normalisierung des Parathormonspiegels ergeben. Andernfalls muss nach weiterem krankhaftveränderten Nebenschiddrüsengewebe gesucht werden.

Oft sind die kleinen Organe auch während der Operation nur schwer auszumachen. Lassen sie sich am Hals nicht finden, muss der Chirurg unter Umständen einen zweiten Eingriff vornehmen. Er spaltet dann das Brustbein und öffnet den Brustkorb. Anschließend sucht er das Mittelfell ab.

Kontakt zur Chirurgie

Dr..med..Wolfgang Reinpold
Chefarzt der Abteilung für Chirurgie


Marion Kohnen
Sekretariat der Abteilung für Chirurgie
Tel.: 040 - 75 205 - 225 | Fax: - 357

Chirurische Sprechstunde
Tel.: 040 - 75 205 - 225 | Fax: - 723


Station der Chirurgie
Tel.: 040 - 75 205 - 243 | Fax: - 702
 

Hotline für chirurgische Notfälle
Tel.: 040 - 75 205 - 6233

 

Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand
Groß-Sand 3  |  21107 Hamburg


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