Schwerpunkt Unfallchirurgie/Orthopädie - Kniegelenkarthrose

Das Kniegelenk
Das Kniegelenk trägt unser ganzes Körpergewicht und manchmal noch viel mehr. Im Durchschnitt macht der Mensch jährlich ungefähr 1,5 Millionen Schritte und noch eine Vielzahl anderer Bewegungen. Um uns dies zu ermöglichen, ist das Kniegelenk ein offenes, nur durch Bänder und Muskeln stabilisiertes Gelenk, das sich aus dem langen Oberschenkelknochen, dem Schienbein und der Kniescheibe zusammensetzt. Eine Knorpelschicht und die so genannte Gelenkschmiere halten die Knochen voneinander getrennt und sorgen so für eine nahezu reibungslose Bewegung ohne Schmerzen.

Kniegelenkarthrose
Die Kniegelenkarthrose ist eine schmerzhafte Verschleißerkrankung mit einem oft über Jahre und Jahrzehnte fortschreitenden nicht heilbarem Verlust von Gelenkknorpel und einem krankhaften Umbau des angrenzenden Knochens. Neben der Hüftgelenkarthrose ist sie die häufigste degenerative Erkrankung der Extremitäten. In Deutschland sind 15 Prozent aller 65jährigen betroffen, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer. Das Durchschnittsalter bei Auftreten der Erkrankung liegt zwischen 65 und 70 Jahren.

Entstehung einer Kniegelenkarthrose
An der Entwicklung einer Arthose sind stets mehrere Faktoren beteiligt, wobei die Erbanlagen sicherlich eine wichtige Rolle spielen. Trotz extrem guter Schutzvorrichtungen der Natur wie einer hohen Festigkeit unseres hyalinen Knorpels, Gelenkschmiere sowie der Pufferfunktion der Menisci ist  jedes Gelenk im Laufe des Lebens dem natürlichen Verschleiß ausgesetzt. Dieses gilt besonders für das Hüft- und Kniegelenk, welche die volle Körperlast tragen müssen. Die glatte Knorpelgewebsschicht wird im Laufe des Lebens abhängig von der Belastung in Beruf und Freizeit durch Abrieb geschädigt und rau. Es entstehen Furchen und Risse, Knorpelzellen sterben ab. Kleine Knorpeltrümmer wirken wie Sand im Getriebe und reizen die Kniebinnenhaut zu einer Entzündungsreaktion, die wiederum den noch intakten Knorpel schädigen kann. Es kommt zu einer Ergussbildung und Schmerzen. Der uns angeborene hyaline Knorpel kann vom erwachsenen Menschen leider nicht neu gebildet werden. Das Gelenk ist dauerhaft geschädigt.

Risikofaktoren
Als Risikofaktoren für eine Arthrose gelten:

  • Das Alter
  • Übergewicht
  • Weibliches Geschlecht
  • Überlastung durch schwere körperliche Arbeit wie häufiges schweres Heben, besonders aus der Hocke oder langjährige Presslufthammerarbeit)
  • Achsenfehlstellungen der Beine wie X-Beine oder O-Beine
  • Bewegungsmangel
  • Gicht
  • Diabetes
  • Mangelernährung wie zu wenig Vitamin C und D
  • Vorschädigung des Knorpels durch bakterielle Gelenkinfekte
  • Unfallschäden wie Knochenbrüche mit Gelenkbeteiligung, Knorpelschäden, Meniskusschäden, Bandinstabilitäten wie Kreuzbandriss
  • Degenerative Meniskusschäden

Abgrenzung
Folgende Erkrankungen verursachen ebenfalls Knieschmerzen und müssen von der Kniegelenkarthrose abgegrenzt werden:

  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
  • nfektionen
  • Tumore
  • Gicht- Psoriasis-Arthritis
  • Meniskusschäden
  • Erkrankungen der Hüfte und der Wirbelsäule
  • Frische Verletzungen des Kniegelenkes an Knorpel, Knochen und Bandapparat

Diagnostik

  • Genaue Erhebung der Krankengeschichte
  • Körperliche Untersuchung des Kniegelenkes durch Spezialisten
    Röntgenuntersuchung des Kniegelenkes. Standard: Zwei Ebenen und Kniescheibe axial
    Gegebenenfalls weitere Spezialuntersuchungen wie Kernspintomografie, Labortests und Kniegelenkspunktion

Goldene Regeln

  • Meiden Sie das Tragen schwerer Gegenstände. Zur gleichmäßigen Lastenverteilung ist ein Rucksack besser als eine Tasche
  • Entlasten Sie bei längeren Wegen das Gelenk durch die Benutzung eines Handstocks
  • Meiden Sie häufiges Treppensteigen
  • Meiden Sie lange Fußmärsche auf unebenen Wegen
  • Meiden Sie langes Stehen und Knieen
  • Achten Sie auf gesunde Ernährung
  • Vermeiden Sie Übergewicht oder reduzieren Sie es
  • Meiden Sie beim Sport ruckartige Richtungswechsel, Springen oder das Heben von schweren Gegenständen
  • Tragen Sie festes Schuhwerk mit weicher Sohle, um den Schritt zu dämpfen

Empfohlene Sportarten:

  • Schwimmen
  • Gehen (Walking)
  • Wandern
  • Skilanglauf
  • Radfahren
  • Segeln

Mit Einschränkung empfohlene Sportarten:

  • Golf
  • Bowling/ Kegeln
  • Tennis
  • Tischtennis
  • Tanzen
  • Aerobic

Ungeeignete Sportarten:

  • Alpiner Skilauf
  • Fußball
  • Handball
  • Volleyball
  • Basketball
  • Reiten
  • Squash

Operative Therapie
Bei fortgeschrittener Arthrose und Versagen der konserativen Behandlungsmöglichkeiten, hilft nur die operative Therapie. Je nach Befund kommen Gelenkerhaltende Verfahren oder ein Kunstgelenk in Betracht.

Kniegelenkchirurgie